« Ich & Wir » – Balanceakt bei Veranstaltungen

29. 11. 2018 Aktuell, Forschen 0 Kommentare

Vom Austausch auf Augenhöhe profitiert jeder Einzelne und die Gruppe.

Jeder kennt das: Bei Veranstaltungen sind einzelne Leute mitunter so dominant, dass sie die Grup-pe beherrschen. Andere gehen daneben völlig unter. Idealerweise sollte sich aber jeder Einzelne einbringen können, und idealerweise fördert die Gruppe ihn oder sie dabei. Schließlich haben beide Seiten etwas davon.

Raum geben und nehmen
Ein Gleichgewicht zwischen Raum geben und nehmen hilft, fanden die Experten per „Kopfstandme-thode“ heraus: Sie schlugen zunächst jene Zutaten vor, die den gegenteiligen Effekt erzielen: also Hierarchien einziehen, Augenhöhe verlassen, anderen Raum nehmen. Stellten sie das wieder auf den Kopf, erkannten sie: Für bereichernde Begegnungen braucht es Settings, die diese Dinge unter-binden und Vertrauen schaffen.

Augenhöhe macht mutig
Der Kennenlernabend vor dem micelab:experts habe auch das Vertrauen untereinander gefördert, meint Chloé-Marie Seitz vom Bodenseeforum Konstanz. Deshalb traute sie sich, eine soziometri-sche Aufstellung zu leiten. „Zuerst bin ich nervös gewesen. Aber da ich die anderen schon kannte, entschloss ich mich dazu und dachte, es ist ja für alle etwas Neues, vorne zu stehen.“ Bei den Auf-stellungen formierten sich alle nach Herkunft oder Beruf und kamen darüber ins Gespräch – was die Vertrauensbasis nochmals stärkte.

Vertrauensbildende Settings
„6-1-1-1“ ist eine weitere gemeinschaftsbildende Methode, die die Experten ausprobierten. Setting: Vier Personen, eine spricht sechs Minuten lang über ein ausgewähltes Thema, die anderen hören zu. Danach geben die anderen nacheinander je eine Minute lang positives Feedback. Dann spricht der oder die Nächste sechs Minuten und so weiter. So haben auch Menschen, die sich sonst im Hin-tergrund halten, eine Chance sich einzubringen. Davon profitiert die gesamte Gruppe.

Bodensee als einzigartige Kongressregion
Sabine Neufang von der Insel Mainau leitete ein Open Space: „Jeder der präsentiert, gibt einen Ver-trauensvorschuss und streckt die Hand aus. Das geht nur, wenn die Gemeinschaft offen und ehrlich ist und Zuversicht gibt, dass das Vertrauen nicht missbraucht wird. Durch diese Zugehörigkeit – das Wir – wird das Ich gestärkt. Das ist gelebte Begegnungskultur“, fasst sie zusammen und ergänzt: „Wenn wir es schaffen, dies unseren Kunden zu vermitteln, finden sie hier am Bodensee eine Kon-gressregion vor, die einzigartig ist.“

Fotos: Michael Gleich

Weil sie die anderen schon kannte, traute sich Chloé-Marie Seitz nach „vorne“.
Allein etwas vor der Gruppe präsentieren heißt: einen Vertrauens-vorschuss geben.
Einer spricht, die anderen hören zu – so kann sich jeder einbringen.

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